Der gelbe Schein

Eigentlich fing der Tag ganz gut an…
Ein Arzt war im Urlaub.
Deswegen konnte Frau G. sich heute im Labor mal richtig ‘austoben’.
Eine Riesensendung vom Großhandel stand noch in der Schleuse.
Die Helferin, die sie bearbeiten sollte, musste gleich kommen. Sie holt erst noch die Post.
Zwei Praktikantinnen warteten auf ihre Anweisungen.
Frau M. hatte sich mit einem Staubtuch bewaffnet, um die Rezeptur zu putzen.
Alle 8 Computer liefen. Es konnte los gehen.

Da kommt Frau N. mit einer Nachlieferungsnummer. Sie möchte gleich in die Stadt fahren und wollte vorher noch ihre Spritzen für den Arzt abholen.
An und für sich kein Problem. Nur Die Sendung stand ja noch gut verpackt da.
Schnell rufe ich noch zwei andere, damit sie mir beim Suchen helfen.
Natürlich fährt der Bus in 5 Minuten. —-
Eigentlich gibt es vom Großhandel eine wunderbare ‘Erfindung’ : die Kiste mit den Nachlieferungen ist gesondert markiert – heute leider nicht. Also: Band auf, Deckel ab und suchen, suchen, suchen… Nächste Kiste – suchen…
Natürlich befindet sich das so sehnlich Erwünschte in der untersten und letzten Kiste.
Im Eilschritt nach vorn. Der Bus kommt. Zu spät habe ich gesehen, dass es noch nicht bezahlt war. Also Zettel schreiben und alle unterrichten. Im Helferinnen-Raum herrscht nach dieser Aktion ein unübersichtliches Chaos. Wo bleibt heute nur Frau H.?

Ein Auto fährt vor. Frau H. steigt mit einem Gipsarm aus.
In der feien Hand hält sie den so gefürchteten ‘Gelben Schein’.   ! 4 Wochen !
Von allen Seiten mitfühlende Fragen : ‘Wie ist d a s denn passiert ? – Tut es sehr weh? –
Wie kommst Du denn allein zurecht? – Wie lange muss der Gips dran bleiben? –
Bist Du beim richtigen Arzt gewesen? – Was sagt Dein Mann dazu? – Du Arme! –
Du kannst Dich ja nicht mal selbst an- und ausziehen! – Was brauchst Du denn jetzt? – Rezept.   usw.’   Unter unseren besorgten Blicken geht sie für 4 Wochen ‘von uns’.

Wer macht die Sendung?
Na ja, Frau G., Labor war Labor. Aber wir helfen alle mit.
Ausgerechnet kommt heute auch noch eine Großsendung von Ausbüttel.
Sie muss zunächst im Treppenhaus deponiert werden, bis wir wieder Land sehen. Alles ist machbar.
Es zeichnet die Frauen aus, die diesen Beruf ergreifen, dass sie trotz aller Belastung ganzen Einsatz zeigen, wenig murren und zu den Patienten gleichmäßig freundlich bleiben.
Ein Wunder in unserer Zeit, das mal erwähnt werden muss.